Himmelpfote

Wenn der Therapiebegleithund stirbt….

Wenn der Therapiebegleithund stirbt, ist das nicht einfach ein Hund der geht.
Nein…es ist dein Mitarbeiter, dein Kollege, eine feste Institution in deinem Leben mit der du viele Höhen und Tiefen durchlebt hast, der mit dir zusammengelebt, und daran gearbeitet hat, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.
Du hast deinen Hund mit vielen fremden Menschen geteilt, die ihn auch lieben durften.
Dein Hund hat sie evtl. auf Ebenen angesprochen, die diese fremden Menschen schon längst vor anderen Menschen verschlossen haben. Dein Hund konnte ihnen ein Lächeln in das Gesicht zaubern.
Du hast selbst mit deinem Hund zusammen Situationen im Setting erlebt, die in dir die größte Hochachtung vor ihm hervorgerufen haben.
Wie oft stehe ich mit großer Demut und Dankbarkeit vor meinen Hunden, wenn sie wieder einmal Momente ausgehalten haben, die sie unter normalen Umständen nicht ertragen müssten.
Wenn sie dabei fröhlich und freundlich bleiben, und die innere Sicherheit haben, mit dir zusammen Dinge zu durchleben, und das nächste Mal gerne wieder mit dabei sind.
Eine halbe Stunde an einen Wachkomapatienten angelagert zu liegen, die Stimmungen eines sterbenden Menschen aufzufangen, das grobmotorische Streicheln des behinderten Menschen hinzunehmen, evtl. dabei eine Spastik zu ertragen, auch einmal die spontan auftretende Aggression eines Dementen auszupegeln, 16 gleichzeitig streichelnde Kinderhände in der integrativen Kita zu erleben, bevor Ordnung und Ruhe eingekehrt ist, ……- das alles sind keine Selbstverständlichkeiten.
All dies gut im Auge zu haben, damit dein Hund nicht in Überforderung kommt, oder instrumentalisiert wird ist die Aufgabe des Hundeführers.
Den Hund jederzeit unter Kontrolle zu haben, ihn dabei gleichzeitig Hund sein zu lassen, alle seine Befindlichkeiten gut zu erkennen und einzuschätzen, im richtigen Moment richtig damit umzugehen, seine Freude an der gemeinsamen Tätigkeit zu stärken, aber seine Persönlichkeit zu respektieren, viele viele emotionale Momente gemeinsam zu erleben, das schafft eine ganz besondere Beziehung, und eine innige Bindung.
Diese Bindung ist durch die gemeinsam verbrachte Zeit und Tätigkeit meist wesentlich enger, als bei Hunden ohne besonderen „Beruf“, die bei dir leben, und deine Fürsorge erfahren.
Und trotzdem diese Bindung so innig ist, und die Beziehung eine besondere Qualität hat, sind Therapiebegleithundeführer bereit, andere Menschen in diese Beziehung mit aufzunehmen.
Das wiederum bedeutet, wenn der Therapiebegleithund stirbt, verabschiedet sich nicht nur ein Hundehalter von seinem Hund, sondern auch noch begleitete Menschen denen damit auch ein Stückchen Beziehung, evtl. Lebensfreude und Nähe verloren geht. Auch sie durchleben den Verlust.
Hier gemeinsam zu trauern kann hilfreich, für den Hundehalter aber auch zusätzlich belastend sein.
Den Schmerz gemeinsam zu erleben kann zusätzlich verbinden.
Unter Umständen war dein Hund aber bereits längere Zeit „berentet“, und nur du als Hundehalter weißt, wie viele Menschen dein Hund glücklich gemacht hat, wieviel Begleitung und besondere Situationen es gab, aber auf dem letzten Weg gehst du mit ihm alleine. Auch das ist wieder eine ganz eigene Mischung aus Freude und Schmerz….
Wenn der Therapiebegleithund stirbt, ist das nicht einfach ein Hund der geht, es ist viel mehr….